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Logopädie - Fallbeispiele

Fallbeispiel Erwachsener

Stottern beginnt in der Phase der Sprachentwicklung zwischen 2 und 4 Jahren. Die meisten Kinder (80 %) zeigen in dieser Zeit entwicklungsbedingte Redeunflüssigkeiten. Dagegen weisen ca. 5 % aller Kinder in diesem Alter bereits typische Symptome des echten Stotterns auf. Bis zur Pubertät geht das Stottern in 4 von 5 Fällen wieder zurück. Danach ist eine Heilung sehr unwahrscheinlich. Da es zurzeit noch nicht möglich ist herauszufinden, bei wem der 5 Kinder eine Heilung stattfinden wird und bei wem nicht, ist es erforderlich, alle 5 Kinder logopädisch zu behandeln. Ziel der Therapie ist es, das Sprechen zu erleichtern, Risikofaktoren abzubauen und psychische Reaktionen zu verhindern.

Martin, 19 Jahre: „Ich stottere schon solange ich denken kann. Aber es wird immer schlimmer. Ich kann oft Wörter nicht aussprechen, bleibe dann mitten im Satz stecken oder bekomme schon von Anfang an keinen Ton heraus. Das ist mir total peinlich und ich habe auch gar keine Lust mehr, andere Leute anzusprechen. Wenn bei uns das Telefon klingelt habe ich große Angst, den Hörer aufzunehmen.“

Martin holte sich über seine Mutter telefonisch einen Termin bei mir in der Praxis. Er berichtete, dass er schon als Kind eine logopädische Therapie bei einer Kollegin gemacht hätte. Danach wäre es mit dem Sprechen erst einmal etwas besser gewesen, aber schon bald hätte ihn das Stottern wieder eingeholt. Jetzt würde er jeden Morgen mit der Angst aufwachen, mit fremden Menschen reden zu müssen und sich dabei zu blamieren.

Einem ausführlichen Eingangsgespräch folgte die logopädische Diagnostik mit Videoaufzeichnung für die spätere Auswertung. Beim Lesen wie auch im Gespräch zeigte sich eine schwere Stottersymptomatik mit Blockierungen und ausgeprägten Begleitsymptomen. Letztere dienten einmal dazu, Stottern zu vermeiden und waren jetzt noch auffälliger, als das Stottern selbst. Dazu kamen noch deutliche psychische Reaktionen wie Abbruch des Blickkontaktes, Schwitzen und überhaupt das Vermeiden von Gesprächssituationen.

Wir haben uns dann gemeinsam für eine symptomorientierte Therapie entschieden, die im Rahmen einer Desensibilisierung zu einem Abbau der Sprechangst führte. In der Modifikationsphase erlernte Martin seine Begleitsymptomatik abzubauen und seine Stottersymptome zu kontrollieren.
Diese Kontrolltechnik wurde dann durch „In-Vivo-Übungen“ am Telefon oder beim Einkaufen vertieft und gefestigt. Nach 30 Übungseinheiten konnte bereits eine Therapiepause von 3 Monaten gemacht werden. Danach gab es 20 weitere Übungseinheiten gefolgt von einer erneuten, dreimonatigen Pause sowie einer Auffrischung von weiteren 10 Therapien.

Fallbeispiel Kind

Zu langes Festhalten an Lutschgewohnheiten am Daumen oder Schnuller, zu frühes Füttern mit Flaschen, deren Saugeröffnung zu groß ist oder aber auch eine angeborene Disposition kann zu einer Störung des Zusammenspiels der oralen Muskulatur des Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereiches führen.
Die Myofunktionelle Therapie ist die Behandlung von Muskelfunktionsstörungen im Mund und Gesichtsbereich. Sie kann ab einem Alter von 4 Jahren beginnen. Während des Frontzahnwechsels ist eine Therapie nicht ratsam.
Diese Muskelfunktionsstörungen führen zu einem falschen Schluckmuster, bei dem die Zunge beim Schlucken gegen oder zwischen die Zähne gepresst wird. Das Ergebnis ist häufig ein ausgeprägtes Lispeln, verbunden mit einer Zahnfehlstellung. Außerdem kann es zu vermehrten Wucherungen im Nasen-Rachenbereich kommen, was wiederum zu einer verhinderten Nasenatmung mit Schlafstörungen, Tubenbelüftungsstörungen, häufigen Mittelohrentzündungen und damit eingeschränktem Hörvermögen führen kann.

„Wir waren auf Empfehlung unseres Zahnarztes mit unserer Tochter Mia (5 Jahre) beim Kieferorthopäden. Dort wurde eine Zahnfehlstellung aufgrund eines falschen Schluckmusters und eines ausgeprägten Lispelns diagnostiziert. Der Arzt hat uns vor einer weiteren kieferorthopädischer Behandlung erst eine logopädische Therapie empfohlen. Er meint, es müsse zunächst eine myofunktionelle Therapie stattfinden, damit die Zunge später nicht immer gegen die Zahnspange drückt und dadurch die Behandlungsdauer verzögert bzw. sich nach Absetzen der Behandlung eine erneute Fehlstellung entwickelt.“

Zu Beginn der Therapie fand ein ausführliches Eingangsgespräch statt, in dessen Verlauf u. a. die motorische Entwicklung, das Ess- und Trinkverhalten sowie noch bestehende Lutschgewohnheiten erfragt wurden. Es folgte die Diagnostik, die sich aus einer Überprüfung der Artikulation, der Beurteilung von Mund, Lippen, Zunge, Kinn und Körperhaltung sowie einer weiterführenden Befragung zusammensetzte. Außerdem wurde eine Palatographie durchgeführt. Hierfür wurden bei Mia mit Lebensmittelfarbe bestimmte Bereiche der Zunge markiert. Damit konnte das individuelle Schluckmuster dargestellt werden.

Aufgrund dieser Ergebnisse wurde ein Behandlungskonzept erstellt und mit Mia und ihrer Mutter besprochen. In der Therapie wurden dann spielerisch Übungen zur Haltung, zur richtigen Zungenruhelage und zum richtigen Schlucken durchgeführt. Parallel dazu wurde die korrekte /s/-Bildung angebahnt und gefestigt. Die Behandlung fand überwiegend vor dem Spiegel statt, damit Mia sich selbst beobachten und ggf. korrigieren konnte. Die erarbeiteten Stundeninhalte wurden als „Hausaufgaben“ mitgegeben, damit durch das tägliche Training eine möglichst schnelle Übernahme in den Alltag stattfinden konnte.

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